„Ich spüre die Wertschätzung“

  • 31.03.2020

Am 1. April feiert Julian Vonmoos seinen 19. Geburtstag. Obwohl er erst am Anfang seiner Fussballkarriere steht, wird der Offensivspieler des FC Basel 1893, der für die erste Hälfte des Jahres 2020 an den FC Wil 1900 ausgeliehen ist, als eines der grössten Talente im Schweizer Fussball gehandelt.

Wie alle Fussballer in der Schweiz befindet sich auch Julian Vonmoos Ende März 2020 in einer speziellen Situation. Der Spiel- und Trainingsbetrieb ist ausgesetzt, es gilt, sich alleine in Form zu halten. Vonmoos tut das im grosszügigen Garten seiner Eltern im thurgauischen 1500-Seelen-Dorf Salmsach am Bodensee. „Ich habe Glück, es gibt genügend Platz, zwei Tore und eine Torwand. Manchmal trainiere ich alleine, manchmal spiele ich mit meinem jüngeren Bruder“, sagt er, der auch oft die TRX-Bänder für das physische Training nutzt. Dazu kommt das Programm, das der Konditionstrainer des FC Wil mit den entsprechenden Challenges und Zielen für seine Spieler zusammenstellt. Vonmoos macht das Beste aus der Situation und sagt: „Wir haben viel Zeit zur Verfügung und es ist Zeit, die man in sich selbst investieren kann.“ Aber natürlich räumt auch Vonmoos ein, dass ihm das Team und das Balltraining in der Gruppe fehlen.

Mit dem Coronavirus ist er bislang kaum in Konflikt gekommen – in seiner Familie und im Umfeld gibt es keine positiven Fälle, aber natürlich stellen sich alle auf die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit ein. „Ich vermeide Kontakte und wir haben Desinfektionsmittel zu Hause, das wir nach allen Aktivitäten draussen regelmässig nutzen.“

Für den 19-jährigen Julian Vonmoos kommt der aktuelle Unterbruch nicht unbedingt gelegen. Er hatte sich zu Jahresbeginn aufgemacht, um mit einem Leihgeschäft zum FC Wil 1900 seiner Karriere mit mehr Einsatzzeit einen weiteren Schub zu verleihen. Noch im vergangenen November hatte er die Vorrunde vorzeitig abgebrochen und sich einer Mandeloperation unterzogen. Zuvor hatten ihm Entzündungen immer wieder zu schaffen gemacht und seine Anfälligkeit auf Erkältungen und Angina erhöht. Seit dem Eingriff am 21. November ist er beschwerdefrei.

Noch im am 26. Januar bestritt er beim Auswärtsspiel des FC Basel 1893 seinen zweiten Teileinsatz in der Super League – nach der Premiere am 25. Mai 2019, als er beim 4:1-Sieg gegen Neuchâtel Xamax für Noah Okafor eingewechselt worden war und umgehend sein erstes Tor erzielen konnte. Kurz darauf gab der Club bekannt, dass Vonmoos für ein halbes Jahr in die Ostschweiz ausgeliehen wird, nicht ohne zu vermerken, dass der Verein plane, seinem Talent in der Saison 2020/21 verstärkte Bedeutung einzuräumen.

Der Wechsel nach Wil war für Vonmoos eine gute Option. „Ich kann nun wieder bei meiner Familie wohnen und das Team des FC Wil spielt in seiner jungen Besetzung einen dynamischen Fussball“. Dieser liegt dem Offensivspieler, der sich trotz vieler Vorschusslorbeeren noch immer am Anfang seiner Karriere sieht.

Seinen leiblichen Vater, einen Brasilianer, hatte Julian Vonmoos nie kennengelernt. Seit er eineinhalb Jahre ist, lebt er mit seiner Mutter, von der er den Nachnamen hat, und dem Stiefvater, „der eigentlich mein richtiger Vater ist“. Die WM 2006 war das erste bewusst wahrgenommene Fussballereignis. Für den damals fünfjährigen Julian Vonmoos war die Endrunde in Deutschland der Impuls, um es ebenfalls mit Fussball versuchen zu wollen.

Schon früh wurde beim FC Romanshorn sein aussergewöhnliches fussballerisches Talent entdeckt, er besucht die Sportschule in Bürglen und fand über den FC St. Gallen im Sommer 2016 den Weg zum Schweizer Rekordmeister Grasshopper Club und dessen Fussballschule auf dem Campus in Niederhasli. In der Saison 2017/2018 machte er in 16 Spielen der nationalen U18-Meisterschaft 13 Tore – die Aufmerksamkeit wuchs weiter, als er die Schweizer U17-Nationalmannschaft danach in England als Captain durch die Europameisterschaftsendrunde führte. Dort gelang der Schweiz zwar im letzten Gruppenspiel ein 1:0-Sieg gegen den Gastgeber, doch das reichte dem Team von Nationaltrainer Stefan Marini in der Schlussabrechnung wegen eines einzigen Tores in der Gesamtbilanz der punktgleichen Teams nicht für die Halbfinals.

2018 erfolgte der spektakuläre Wechsel zum FC Basel 1893. Vonmoos hatte einige Angebote, auch von internationalen Clubs, doch er entschied sich, die Offerte der Rot-Blauen anzunehmen. Der Verein vom Rheinknie soll, so wird kolportiert 1,2 Millionen Franken an GC überwiesen haben, um sich die Rechte am Talent zu sichern. Dieses wurde auch international hoch eingestuft: „Vonmoos hat alles, was ein Topstürmer braucht: Schnelligkeit, Beweglichkeit, Treffsicherheit und eine sehr gute Mentalität“, schrieb die englische Zeitung „Guardian“, die den Schweizer Offensivspieler im Sommer 2018 in ihre Auswahl der 60 grössten Talente der Welt aufnahm.

Auch der damalige Sportchef des FC Basel 1893, Marco Streller, war beeindruckt. „Wir möchten dieses unglaublich grosse Talent als Teil des Kaders behutsam an die erste Mannschaft heranführen. Ich bin mir sicher, dass er uns in Zukunft sehr viel Freude bereiten wird.“

Vonmoos selbst sagt, dass er in Basel die Wertschätzung des Sportchefs und des Trainers spüre, auch die Unterstützung des SFV im Programm „Footuro“ schätzt er. Er weiss, dass er schon einige Schritte vorwärts machen konnte, dass ihm aber für den angestrebten Durchbruch auch noch ein paar weitere Schritte fehlen würden. „An diesem Punkt scheitern viele Talente, aber ich versuche, mit viel Arbeit alles zu investieren und laufend näher heranzukommen.“ Vorerst muss er sich wie alle Fussballer gedulden – bis es in irgendeiner Form weitergehen kann. „Natürlich wollen wir alle wieder spielen, aber wir Fussballer müssen auch Verständnis für die momentanen Massnahmen zeigen. Es ist eine Situation, die wir alle so noch nie erlebt haben.“

(das)


Julian Tobias Emilio Vonmoos

Geburtstag: 1. April 2001 in Münsterlingen

Position: Stürmer

Vereinsstationen

  • 5/2011-1/2013 FC Romanshorn
  • 1/2013-7/2016 FC St. Gallen
  • 7/2016-7/2018 Grasshopper Club Zürich
  • 7/2018-2/2020 FC Basel 1893
  • 2/2020-6/2020 FC Wil 1900 (leihw.)

Nationalteams

  • 8 Spiele für die Schweizer U19, 1 Tor
  • 13 Spiele für die Schweizer U17, 5 Tore
  • 7 Spiele für die Schweizer U16, 0 Tore
  • 3 Spiele für die Schweizer U15, 1 Tor
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